Steak vom Pferd

Steak vom Pferd

Pferdefleisch hat wenige, dafür sehr begeisterte Liebhaber. Wir haben es probiert.


Das Glück dieser Erde …

… ist für manche der Rücken der Pferde. Und zwar auf dem Teller. Als Steak.
Und schon spaltet sich die Leserschaft. Die einen wenden sich mit Grausen ab. Pferdefleisch, das geht gar nicht! Den anderen läuft das Wasser im Mund zusammen: Pferdesteak oder Pferdesalami. Lecker.

Kulinarische Trennung

Schon komisch. Kalb, Lamm, Zicklein – alles kein Problem. Aber Pferd? Dieses anmutige und liebenswerte Tier, diesen treuen Weggefährten des Menschen ESSEN? Nein, niemals! Für viele, vor allem für Reiterinnen und Reiter, ist das ein absolutes Tabu. Aber es schmeckt, das Pferdefleisch. Und gar nicht schlecht. Ich hab’s ausprobiert. Ja, ich gebe zu, etwas komisch war mir schon. Am Anfang. Ich reite zwar nicht, aber vielleicht ist es ja doch anstößig, Pferdefleisch zu essen. Ich probier’s trotzdem. Am besten nehme ich Steak oder lieber Rouladen und vielleicht eine Salami? Ich schau mal, was es so gibt. Also zum Pferdmetzger, 2 Hüftsteaks und 2 Rouladen gekauft. Zum Ausprobieren eine gute Mischung. In München gibt es genau einen Pferdemetzger. Am Viktualienmarkt. Der ist gut besucht, übrigens auch von vielen italienisch sprechenden Menschen. Italien ist mit knapp 1 kg pro Kopf und Jahr an der Spitze des europäischen Pferdefleischkonsums. Das scheint erst mal gar nicht so viel. Im Vergleich zu 100 g pro Kopf und Jahr, die in Deutschland gegessen werden, ist das dann doch wieder ordentlich. Dabei wird der rheinische Sauerbraten ursprünglich mit Pferdefleisch zubereitet! Wo man Pferde auch noch gerne isst: Frankreich und französische Schweiz. Und Österreich. Genauer gesagt Wien. Da haben sie gleich ein Dutzend Pferdefleischläden.

Frisch ans Werk

Wieder zurück vom Einkaufen sage ich erst nicht, was für ein Fleisch auf den Teller kommt. Mein Mann ist nicht das Problem, er isst sehr gerne Pferd. Schon lange. Bei den Kindern weiß man‘s nie so genau. Aber dann kriege ich mit, dass sich meine Familie bei der ein oder anderen Einkaufstour durchaus mal einen Snack aus der Pferdemetzgerei holt. Also sag ich’s. Und? Entsetzen? Nein! Im Gegenteil, es kommt:“ Oh toll, lecker.“ Die einzige, die Vorbehalte hat, bin ich.
Das Fleisch sieht gut aus: saftig und etwas heller als Rindfleisch. Das Rouladenfleisch schön mager, die Hüftsteaks ganz fein marmoriert. Die Rouladen kriegen eine Füllung aus Steinpilzen, Zwiebel und Speck und werden in Rotwein geschmort. Das Steak salze ich nur. Vor dem Anbraten. Wenn man’s nach dem Braten salzt, ist das Aroma nicht so rund, find ich.

Fortsetzung folgt

Die Rouladen schmecken gut – Fleisch und Füllung. Aber trocken sind sie. Pferdefleisch neigt dazu, weil relativ mager. Und dann habe ich sie vielleicht zu lange geschmort – dazu neige ich. Da ist auf jeden Fall noch viel Luft drin, das probiere ich bald noch einmal aus. Aber die Steaks, was soll ich sagen. Die Steaks sind hervorragend. Zart, saftig, und wunderbar aromatisch (und nicht nur, weil ich sie vor dem Braten gesalzen habe). Mein Mann isst sein Steak medium rare, der Rest der Familie (also die Kinder und ich) medium well. Wir sind begeistert – alle. Und meine Vorbehalte? Sind nach dem ersten Bissen weg.